Wie schwer ist es, Italienisch zu lernen?
Italienisch klingt schwierig, wenn es schnell gesprochen wird, aber es gehört zu den Sprachen, bei denen Schrift und Aussprache am besten zusammenpassen. Hier liest du, was dir das Deutsche schon mitgibt, was wirklich schwer ist und wie du anfängst.
Die kurze Antwort
Mit Italienisch fängt man leicht an. Es wird fast genauso ausgesprochen, wie es geschrieben wird, und viele Wörter kennst du schon, weil das Deutsche sie aus dem Lateinischen oder direkt aus dem Italienischen übernommen hat. Schwierig wird es bei den Verben und den kleinen Wörtern: Artikel, Präpositionen und Hilfsverben, die alle zueinander passen müssen.
Das US-Außenministerium (U.S. Department of State), dessen Sprachschule als Foreign Service Institute (FSI) bekannt ist, ordnet Italienisch für Englischsprachige in Kategorie I ein, die Gruppe der Sprachen, die dem Englischen nahestehen, und dort am kürzeren Ende.
Was dir das Deutsche schon mitgibt
Deutsch ist eine germanische Sprache, Italienisch stammt vom Lateinischen ab. Trotzdem hat das Deutsche so viel aus dem Lateinischen und auch aus dem Italienischen übernommen, dass dir viele Wörter vertraut sind.
- Italienische Wörter, die du schon benutzt. Pizza, espresso, tempo, solo und opera (Oper) kommen aus dem Italienischen. Aus dem Italienischen stammen auch Konto von conto, Bank von banca und Saldo von saldo.
- Endungen, die sich übertragen lassen. Aus -tion wird -zione: stazione, informazione, nazione. Aus -tät wird -tà: università, qualità, attività. Und viele Verben auf -ieren enden auf -are: studiare (studieren), telefonare (telefonieren), organizzare (organisieren).
- Eine Schrift, auf die du dich verlassen kannst. Italienisch wird fast genauso ausgesprochen, wie es geschrieben wird, die Vokale klingen ähnlich wie im Deutschen, und fast jedes Wort endet auf einen Vokal.
Auch die Grammatik ist dir nicht ganz fremd. Im Perfekt gibt es wie im Deutschen zwei Hilfsverben, und sie verteilen sich oft genauso: ho mangiato (ich habe gegessen), aber sono andato (ich bin gegangen). Die Fälle fallen weg, und das Verb wandert im Nebensatz nicht ans Ende. Maria mangia una mela heißt Maria isst einen Apfel, Wort für Wort.
Was wirklich schwer ist
Das Schwierige am Italienischen sind die Verben und die kleinen Wörter.
- Eine eigene Endung für jede Person. Parlo, parli, parla, parliamo, parlate und parlano sind sechs Präsensformen von sprechen, und das Wort für ich oder du fällt meist weg. Die häufigsten Verben sind unregelmäßig: vado, vai, va, andiamo, andate und vanno sind alles Formen von andare (gehen).
- Doppelkonsonanten. Auch das Deutsche schreibt doppelte Buchstaben, aber dort zeigen sie nur, dass der Vokal davor kurz ist. Im Italienischen wird der Konsonant selbst länger gesprochen, und das verändert die Bedeutung: nono (neunter) und nonno (Großvater), casa (Haus) und cassa (Kasse).
- Sieben Wörter für der, die, das. Il, lo, l’, la, i, gli und le. Welches du brauchst, hängt vom Geschlecht, von der Zahl und vom Anfang des nächsten Wortes ab: il libro (das Buch), aber lo studente (der Student), i libri, aber gli studenti.
- Hilfsverben, die nicht immer passen. Reflexive Verben stehen im Italienischen mit essere, im Deutschen mit haben: mi sono lavato heißt ich habe mich gewaschen. Mit essere ändert sich außerdem das Partizip: Ein Mädchen sagt sono andata.
Das Geschlecht der Substantive passt oft nicht zum Deutschen: la luna ist der Mond, il sole die Sonne, il latte die Milch. Der Congiuntivo ist im Alltag ständig im Gebrauch (penso che sia vero, ich glaube, dass es stimmt). Präpositionen verschmelzen mit dem Artikel wie bei zum oder im, nur viel öfter: di und il werden zu del, dazu kommen nel, sul und dalla. Die Schreibung hat eigene Regeln: ch klingt wie k, etwa in chi (wer) und chiave (Schlüssel), c vor e oder i wie tsch in ciao, und sc vor e oder i wie sch in pesce (Fisch). Achte auch auf falsche Freunde. Caldo heißt warm oder heiß, nicht kalt. Brutto heißt hässlich, und camera ist ein Zimmer, keine Kamera.
Wie lange es dauert und wie viele Menschen Italienisch sprechen
Das US-Außenministerium bildet Personal der US-Regierung in rund 60 Sprachen aus und veröffentlicht, wie lange jede üblicherweise dauert. Diese Zahlen gelten für Menschen mit Englisch als Muttersprache. Für sie steht Italienisch mit 24 Wochen in Kategorie I. Die ganze Kategorie reicht von 24 bis 30 Wochen oder 552 bis 690 Unterrichtsstunden. Italienisch liegt mit 552 Stunden am unteren Ende, Spanisch und Französisch stehen mit 30 Wochen in der Liste. So lange braucht man meist, um auf der ILR-Skala der Regierung Stufe 3 im Sprechen und Hörverstehen zu erreichen, bei 23 Stunden Unterricht pro Woche und 17 Stunden Selbststudium.
Für Deutschsprachige gibt es keine offizielle Zahl. Ein Kurs in der Schule kommt ohnehin viel langsamer voran, aber als Vergleich zwischen Sprachen ist die Liste trotzdem nützlich.
Laut der Liste von Ethnologue für 2026 nutzen 65,6 Millionen Menschen Italienisch als Erst- oder Zweitsprache. Das ist Platz 32 unter den Sprachen der Welt.
So fängst du an
- Fang mit den häufigsten Verben an. Essere (sein), avere (haben), andare (gehen) und fare (machen) sind unregelmäßig und kommen in fast jedem Satz vor. Lerne sie zuerst im Präsens.
- Lerne Substantive mit Artikel. Schreib lo studente und la casa auf deine Vokabelliste, nicht nur studente und casa, dann lernst du das Geschlecht und den richtigen Artikel gleich mit.
- Sprich die Wörter laut aus. Halte die Doppelkonsonanten beim Üben deutlich lang. So merkst du dir auch die Schreibung leichter.
Wie du lernst, ist wichtiger als die Sprache, die du gewählt hast. Mehr dazu in Grundlagen des Sprachenlernens.
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