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Die Grundlagen des Sprachenlernens

Eine neue Sprache kann sich endlos anfühlen: Tausende Wörter, Grammatik und Aussprache, alles auf einmal. Die Forschung ist sich aber ziemlich einig, was dich in einer Sprache weiterbringt. Hier sind fünf Grundlagen, auf die du dich verlassen kannst, egal ob du gerade im ersten Jahr Französisch lernst oder in der Oberstufe englische Texte liest.

1. Zuerst die Wörter

Ohne Wörter kommst du nicht weit. Eine Verbendung, die du nicht kennst, kannst du erraten, ein Wort, das du noch nie gesehen hast, nicht. In einer Studie lasen Menschen Texte in einer Fremdsprache, und wie viel sie verstanden, hing eng damit zusammen, wie viele der Wörter sie kannten. Je mehr Wörter sie kannten, desto mehr verstanden sie.

Und es braucht viele Wörter. Nach einer oft zitierten Schätzung brauchst du 8.000 bis 9.000 Wortfamilien, um einen Roman oder eine Zeitung auf Englisch ohne Hilfe zu lesen, und 6.000 bis 7.000, um gesprochenem Englisch zu folgen. Eine Wortfamilie ist ein Grundwort mit seinen Formen, zum Beispiel help, helps und helpful. Das schafft niemand in einem Halbjahr, aber es erklärt, warum jede Woche neue Vokabeln kommen. Jede Liste ist ein Baustein.

2. Hol die Wörter aus dem Gedächtnis

Eine Wortliste durchzulesen fühlt sich effizient an, aber hängen bleiben die Wörter erst, wenn du versuchst, dich an sie zu erinnern. Deck die Antwort ab, sag oder schreib, was du glaubst, und prüf dann nach.

In einem bekannten Experiment lernten Studierende Vokabeln auf Suaheli. Wer sich weiterhin jedes Wort abfragte, wusste eine Woche später noch etwa 80 Prozent. Wer ein Wort nicht mehr abfragte, sobald es einmal richtig war, wusste nur noch etwa ein Drittel, obwohl alle die Wörter gleich oft gelesen hatten. Frag dich also auch die Wörter weiter ab, die du schon einmal richtig hattest.

3. Verteile dein Üben

Zehn Minuten am Tag an vier Tagen bringen mehr als vierzig Minuten an einem Abend. Eine Übersicht über mehrere hundert Experimente zeigt: Was du auf mehrere Male verteilt übst, behältst du länger als das, was du genauso lange in einem Rutsch übst.

Für eine Sprache heißt das auch, dass alte Wörter wiederkommen müssen. Hol ab und zu die Vokabeln vom letzten Monat hervor und frag dich ab, sonst verblassen sie. Eine Sprache baust du über mehrere Jahre auf, und die Wörter aus dem Herbst sollten im Frühjahr noch da sein.

4. Lies und hör viel

Wortlisten geben dir die Wörter. Beim Lesen und Hören siehst du, wie sie benutzt werden, und du begegnest ihnen immer wieder. Genau das brauchst du. In einer Studie wussten Lernende, die einem neuen Wort zehnmal in verschiedenen Sätzen begegnet waren, deutlich mehr darüber als die, die es nur einmal oder dreimal gesehen hatten.

Such dir etwas aus, das leicht genug ist, damit du dranbleibst: eine einfache Lektüre, eine Serie mit Untertiteln in der neuen Sprache, Lieder oder einen Podcast für Anfänger. Eine Zusammenfassung vieler Studien zeigt, dass Menschen, die viel leichten Text in der neuen Sprache lesen, im Schnitt besser lesen lernen als die, die es nicht tun.

5. Benutz die Wörter

Ein Wort wiederzuerkennen ist leichter, als selbst darauf zu kommen. In einem Experiment mit französischen Vokabeln schnitten die Teilnehmenden in der Richtung am besten ab, die sie geübt hatten. Wer von der eigenen Sprache in die neue geübt hatte, schnitt am besten ab, wenn das Wort selbst gebildet werden musste.

  • Übe in beide Richtungen, vor allem vom Deutschen in die neue Sprache.
  • Sprich die Wörter laut aus. Wörter, die du laut sagst, behältst du besser als Wörter, die du nur leise liest, und nebenbei übst du die Aussprache.
  • Bilde eigene Sätze. Schreib oder sag zu jedem neuen Wort einen Satz, am besten über etwas aus deinem eigenen Leben.

Eine Woche, die funktioniert

So können die Grundlagen in einer ganz normalen Schulwoche aussehen:

  • Montag: Geh die Vokabeln der Woche durch und frag dich einmal ab.
  • Dienstag bis Donnerstag: Frag dich jeden Tag 5–10 Minuten ab, in beide Richtungen, und schreib die Antworten auf.
  • Irgendwann in der Woche: Lies oder hör eine Viertelstunde lang etwas in der Sprache, und mach eine Runde mit älteren Wörtern.
  • Am Abend vor dem Test: eine letzte Runde mit der ganzen Liste.

Mehr dazu, wie du die Wörter selbst lernst, liest du in So lernst du Vokabeln.

Vokabeln mit Learn It üben

Learn It ist eine kostenlose App für iPhone und iPad ohne Werbung, die dich Vokabeln und Hausaufgabenfragen abfragt. Du tippst die Vokabeln der Woche ein und übst in den Modi Schreiben, Multiple Choice oder Karteikarten. Mit Tauschen drehst du das Quiz um und übst die andere Richtung, und nach jeder Runde kannst du nur die Wörter üben, die du nicht wusstest. Das Abfragen übernimmt die App. Lesen, Hören und Gespräche musst du dir woanders suchen.

Deine Liste kannst du auch im Browser auf trylearnit.com erstellen und dort gleich üben.

Quellen

  1. Schmitt, N., Jiang, X. & Grabe, W. (2011). The percentage of words known in a text and reading comprehension. The Modern Language Journal, 95(1).
  2. Nation, I. S. P. (2006). How large a vocabulary is needed for reading and listening? The Canadian Modern Language Review, 63(1).
  3. Karpicke, J. D. & Roediger, H. L. (2008). The critical importance of retrieval for learning. Science, 319(5865).
  4. Cepeda, N. J., Pashler, H., Vul, E., Wixted, J. T. & Rohrer, D. (2006). Distributed practice in verbal recall tasks: A review and quantitative synthesis. Psychological Bulletin, 132(3).
  5. Webb, S. (2007). The effects of repetition on vocabulary knowledge. Applied Linguistics, 28(1).
  6. Nakanishi, T. (2015). A meta-analysis of extensive reading research. TESOL Quarterly, 49(1).
  7. Griffin, G. & Harley, T. A. (1996). List learning of second language vocabulary. Applied Psycholinguistics, 17(4).
  8. MacLeod, C. M., Gopie, N., Hourihan, K. L., Neary, K. R. & Ozubko, J. D. (2010). The production effect: Delineation of a phenomenon. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition, 36(3).

Über den Autor

Hugo Falk hat 2016 mit zwölf Jahren angefangen, Learn It zu entwickeln. In der Schule hat er Deutsch als Fremdsprache gelernt, von der sechsten Klasse bis zum Schulabschluss, Hunderte Stunden an drei verschiedenen Schulen. Jede Stunde war auch eine Gelegenheit, Learn It mit seinen Mitschülern und Lehrern zu testen. Gerade lernt er Italienisch.