Wie schwer ist es, Französisch zu lernen?
Französisch gilt als schwer, und dieser Ruf hat fast immer mit der Aussprache zu tun. Hier erfährst du, was dir das Deutsche schon mitgibt, was wirklich Arbeit macht und wie du anfängst.
Die kurze Antwort
Französisch ist viel leichter zu lesen als zu verstehen, wenn jemand spricht. Viele Wörter kennst du schon aus dem Deutschen, und wenn du Englisch lernst, noch mehr. Schwer ist, dass Französisch nicht so klingt, wie es geschrieben wird: Viele Buchstaben spricht man nicht aus, und einige Laute musst du üben.
Bei der Grammatik hast du einen Vorsprung. Das grammatische Geschlecht kennst du, und Französisch hat nur zwei davon. Einen einfachen Text verstehst du deshalb recht bald. Aussprache, Rechtschreibung und die unregelmäßigen Verben brauchen länger.
Was dir das Deutsche schon mitgibt
Deutsch ist eine germanische Sprache, Französisch stammt vom Lateinischen ab. Trotzdem hat das Deutsche über Jahrhunderte viele Wörter aus dem Französischen übernommen, und dazu kommen die lateinischen Fremdwörter, die beide Sprachen teilen.
- Wörter, die du schon kennst. Restaurant, garage (Garage), toilette (Toilette), étage (Etage), bureau (Büro), niveau (Niveau), oncle (Onkel) und tante (Tante).
- Endungen, die sich übertragen. Wörter auf ‑tion bleiben fast gleich: nation, information, situation. Aus ‑ität wird ‑ité: université (Universität), qualité (Qualität), réalité (Realität). Und viele Verben auf ‑ieren enden auf ‑er: organiser (organisieren), discuter (diskutieren), réparer (reparieren).
- Grammatik, die du kennst. Substantive haben ein Geschlecht, und Adjektive passen sich an: une maison blanche, un livre blanc. Die Vergangenheit bildest du oft wie im Deutschen mit haben oder sein: elle a mangé (sie hat gegessen), elle est allée (sie ist gegangen). Und wie im Deutschen gibt es zwei Anreden: tu (du) und vous (Sie).
- Laute, die du schon hast. Das u in tu klingt wie das deutsche ü, und das eu in deux (zwei) ähnlich wie ö. Für viele Lernende sind das neue Laute, für dich nicht.
Die Grundwortstellung ist Subjekt, Verb, Objekt. Marie mange une pomme heißt Marie isst einen Apfel, Wort für Wort. Fälle wie im Deutschen gibt es bei Substantiven nicht: le livre bleibt le livre, ob Subjekt oder Objekt.
Was wirklich Arbeit macht
Im Französischen ist der Abstand zwischen Schrift und Klang das Schwierige, danach kommen die Verben.
- Buchstaben, die man nicht hört. Konsonanten am Wortende bleiben oft stumm: petit, beaucoup, trop. Il parle (er spricht) und ils parlent (sie sprechen) klingen gleich. Genauso vert (grün), verre (Glas), vers (in Richtung) und ver (Wurm).
- Die Nasalvokale. Vokale, die durch die Nase klingen, gibt es im Deutschen nicht. Un bon vin blanc (ein guter Weißwein) enthält vier verschiedene davon.
- Unregelmäßige Verben. Die häufigsten Verben sind die unregelmäßigsten. Je suis, tu es, il est, nous sommes, vous êtes und ils sont sind alles Formen von être (sein).
- Oft ein anderes Geschlecht. Das Geschlecht stimmt oft nicht mit dem deutschen überein: der Mond ist la lune, die Sonne ist le soleil, das Auto ist la voiture. Ein Neutrum gibt es nicht, jedes deutsche Neutrum wird männlich oder weiblich.
An die Zahlen musst du dich gewöhnen. In Frankreich ist 70 soixante-dix (sechzig und zehn) und 80 quatre-vingts (viermal zwanzig). Weil beide Sprachen so viele Wörter teilen, gibt es auch falsche Freunde: brave heißt mutig, nicht brav, und Marmelade heißt confiture. Manche deutschen Wörter klingen nur französisch: Der Friseur heißt in Frankreich coiffeur. Rechne damit, dass du Französisch gut lesen kannst, lange bevor du einem Gespräch folgen kannst.
Wie viele es sprechen und wie lange es dauert
Laut der Liste von Ethnologue für 2026 nutzen 333,5 Millionen Menschen Französisch als Erst- oder Zweitsprache. Damit ist es die sechstgrößte Sprache der Welt.
Das US-Außenministerium, dessen Sprachschule als Foreign Service Institute (FSI) bekannt ist, veröffentlicht, wie lange seine Mitarbeitenden für jede Sprache meist brauchen. Die Zahlen gelten für Menschen mit Englisch als Muttersprache. Für sie steht Französisch in Kategorie I, der Gruppe der Sprachen, die dem Englischen nahe sind, mit 30 Wochen oder 690 Unterrichtsstunden. Die ganze Kategorie reicht von 24 bis 30 Wochen, also von 552 bis 690 Stunden. Gemeint ist die Zeit bis Stufe 3 im Sprechen und Hörverstehen auf der ILR-Skala der US-Regierung, bei 23 Stunden Unterricht pro Woche und 17 Stunden Selbststudium.
Für Deutschsprachige gibt es keine offizielle Zahl. Viele Wörter und manche Laute bringst du mit, die Aussprache und die Verben kosten aber auch dich Zeit. Ein Kurs in der Schule kommt viel langsamer voran, nimm die Zahlen also nur als Orientierung.
So fängst du an
- Hör und lies gleichzeitig. Weil Schrift und Klang auseinandergehen, musst du jedes neue Wort hören. Spiel das Audio zu deinem Schulbuch ab, während du im Text mitliest.
- Lerne Substantive mit Artikel. Schreib une table und un livre auf deine Liste, nicht nur table und livre, dann lernst du das Geschlecht gleich mit. Achte vor allem auf die Wörter, bei denen es vom Deutschen abweicht.
- Fang mit den vier großen Verben an. Être (sein), avoir (haben), aller (gehen) und faire (machen) kommen in fast jedem Satz vor. Lerne sie zuerst in der Gegenwart.
Wie du lernst, ist wichtiger als die Sprache, die du gewählt hast. Mehr dazu in Grundlagen des Sprachenlernens.
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