Wie schwer ist es, Englisch zu lernen?
Englisch gilt als leicht für den Anfang, und für Deutschsprachige stimmt das besonders. Hier erfährst du, was dir das Deutsche schon mitgibt, was wirklich Arbeit macht und wie du anfängst.
Die kurze Antwort
Wenn du Deutsch sprichst, gehört Englisch zu den Sprachen, die dir am nächsten sind. Beide sind germanische Sprachen, viele Alltagswörter sind verwandt, und die Grammatik ist in vielem einfacher als die deutsche: Es gibt kein grammatisches Geschlecht, Artikel und Adjektive ändern sich nicht, und Verben haben nur wenige Formen. Und Englisch hörst du wahrscheinlich jeden Tag in Liedern, Serien und Spielen.
Schwer wird es an anderer Stelle. Englisch wird nicht so geschrieben, wie man es spricht, einige Laute gibt es im Deutschen nicht, und die Zeitformen folgen anderen Regeln, als du es gewohnt bist.
Was dir das Deutsche schon mitgibt
Englisch und Deutsch stammen von derselben germanischen Vorgängersprache ab. Dazu hat das Englische viele Wörter aus dem Französischen und dem Lateinischen übernommen, die du als Fremdwörter kennst. Du bekommst also zwei Wortschätze geschenkt.
- Verwandte Alltagswörter. Hand, Arm, Finger und warm schreiben sich in beiden Sprachen gleich. House (Haus), water (Wasser), bread (Brot), father (Vater), good (gut) und drink (trinken) erkennst du sofort.
- Laute, die regelmäßig wechseln. Wo das Deutsche ein d hat, steht im Englischen oft ein th: three (drei), thing (Ding), thank (danken), think (denken). Und wo das Deutsche pf, z oder ss hat, steht oft ein p oder t: apple (Apfel), pound (Pfund), ten (zehn), water (Wasser).
- Fremdwörter mit fast gleicher Form. Nation, information und station enden wie im Deutschen auf ‑tion. Aus ‑ität wird ‑ity: university (Universität), quality (Qualität), activity (Aktivität).
Dazu kommt eine Grammatik mit weniger Formen. The steht für der, die und das, und red bleibt red, ob rote, roter oder rotes. Sogar viele unregelmäßige Verben folgen einem Muster, das du kennst: sing, sang, sung wie singen, sang, gesungen, und drink, drank, drunk wie trinken, trank, getrunken.
Was wirklich Arbeit macht
Im Englischen sind Aussprache und Schreibung das Schwierige, danach die Zeitformen.
- Es klingt nicht, wie es geschrieben wird. Ein neues deutsches Wort kannst du meist richtig vorlesen. Im Englischen klingt ough in though, through und tough jedes Mal anders, und read wird je nach Zeitform verschieden ausgesprochen. Jedes neue Wort musst du geschrieben und gehört lernen.
- Das th und das w. Das th in think und this gibt es im Deutschen nicht, und schnell wird aus think (denken) ein sink (sinken). Das englische w sprichst du mit runden Lippen. Das deutsche w klingt eher wie das englische v, dabei sind wine (Wein) und vine (Weinrebe) verschiedene Wörter.
- Harte Endungen. Im Deutschen sprichst du b, d und g am Wortende hart: Rad klingt wie Rat. Im Englischen unterscheidet genau das die Wörter: bed (Bett) und bet (Wette), bag (Tasche) und back (Rücken).
- Die Zeitformen. I am reading (ich lese gerade) ist etwas anderes als I read (ich lese, zum Beispiel jeden Abend). Für eine abgeschlossene Zeit nimmst du die einfache Vergangenheit: I saw him yesterday, nicht I have seen him yesterday, auch wenn du auf Deutsch sagst: ich habe ihn gestern gesehen.
Auch die Grammatik hat ihre Fallen. Fragen und Verneinungen brauchen do: Do you like it? und I don't know. Im Nebensatz rutscht das Verb nicht ans Ende: because I am tired heißt weil ich müde bin. Phrasal Verbs wie give up (aufgeben) erinnern an trennbare Verben, lassen sich aber oft nicht erraten: look after heißt sich kümmern um. Und Vorsicht bei falschen Freunden: become heißt werden, nicht bekommen; gift ist ein Geschenk, kein Gift; eventually heißt schließlich, nicht eventuell; chef ist ein Koch, nicht der Chef. Und ein Handy heißt auf Englisch mobile phone oder cell phone.
Wie viele es sprechen und wie lange es dauert
Laut der Liste von Ethnologue für 2026 nutzen mehr als 1,4 Milliarden Menschen Englisch als Erst- oder Zweitsprache, mehr als jede andere Sprache der Welt. Die meisten haben es als Zweitsprache gelernt: Weniger als 400 Millionen sprechen es als Muttersprache.
Das US-Außenministerium, dessen Sprachschule als Foreign Service Institute (FSI) bekannt ist, veröffentlicht, wie lange seine Mitarbeitenden für jede Sprache meist brauchen. Die Zahlen gelten aber für Menschen mit Englisch als Muttersprache. Für sie steht Deutsch in Kategorie II, mit etwa 36 Wochen oder 828 Unterrichtsstunden. Gemeint ist die Zeit bis Stufe 3 im Sprechen und Hörverstehen auf der ILR-Skala der US-Regierung, bei 23 Stunden Unterricht pro Woche und 17 Stunden Selbststudium.
Für den Weg vom Deutschen ins Englische gibt es keine offizielle Zahl. Die gemeinsamen Wörter helfen in beide Richtungen, die Schwierigkeiten sind aber verschieden: Englischsprachigen machen die deutschen Fälle zu schaffen, dir eher Aussprache und Rechtschreibung. Ein Kurs in der Schule kommt viel langsamer voran, nimm die Zahlen also nur als Orientierung.
So fängst du an
- Lerne jedes Wort geschrieben und gehört. Die Schreibung verrät dir nicht, wie ein Wort klingt. Nimm das Audio zu deinem Schulbuch oder ein Wörterbuch mit Aussprache.
- Fang mit den häufigsten Verben an. Be (sein), have (haben), do (tun, machen) und go (gehen) sind unregelmäßig und kommen in fast jedem Satz vor. Lerne sie zuerst in der Gegenwart und in der Vergangenheit: go, went.
- Nutze, was du sowieso hörst. Serien auf Englisch mit englischen Untertiteln trainieren dein Ohr.
Wie du lernst, ist wichtiger als die Sprache, die du gewählt hast. Mehr dazu in Grundlagen des Sprachenlernens.
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Deine Liste kannst du auch im Browser auf trylearnit.com erstellen und dort gleich üben.